Von der Wirklichkeit überholt

Science Fiction hat das große Problem, dass sich manche Entwicklungen nicht in den Geschichten widerspiegeln – und diese dann, trotz aller suspension of disbelief, unglaubwürdig werden. Das typische Beispiel dafür ist das Internet und die flächendeckende Nutzung von Smartphones, eine der großen und ziemlich sicher bleibender Änderung der menschlichen Gesellschaft, aber (fast) vollständig fehlend in SF-Geschichten mit Veröffentlichung bis in die 1990er.

Mir ist jetzt ein neues Beispiel eingefallen, welche aktuelle SF in Zukunft unglaubwürdig machen wird: Charaktere, die sich zur Begrüßung die Hände geben.

Krönung, komplett

Die bayerische Verordnung zu Ausgangssperren lässt einem nicht mehr viel Bewegungsfreiheit. Heute hole ich aber das Maximum raus, das mir noch erlaubt und möglich ist.

  • Sport und Bewegung an der frischen Luft: Ich bin von zu Hause zum Bürgerbüro spaziert.
  • Abgabe von Briefwahlunterlagen: Und habe dort meinen Wahlschein in den Briefkasten geworfen.
  • Ausübung beruflicher Tätigkeiten: Gleich steht ein Softwareupdate an, dafür sitze ich im Büro.

Später muss ich dann noch Essen einkaufen (Versorgungsgänge für die Gegenstände des täglichen Bedarfs). Ein paar der erlaubten Handlungen kann ich nicht durchführen (Besuch bei Lebenspartnern oder Handlungen zur Versorgung von Tieren) oder treffen hoffentlich noch lange nicht zu (Begleitung Sterbender).

Was mir untersagt ist, wird dann auch in dieser Verodnung reglementiert. Eigentlich hatte ich eine Theaterkarte reserviert (Veranstaltungen und Versammlungen werden landesweit untersagt) und hätte vor dem Arbeiten noch in meinem Stammcafe gefrühstückt (Untersagt werden Gastronomiebetriebe jeder Art).

Die Maßnahme sind aktuell richtig und wichtig, ich gehe aber stark davon aus, dass die Fraktion derer, die auch „Datenschutz ist Täterschutz“ skandieren, Blut geleckt hat und dieser Waffenschrank an Instrumenten in Zukunft viel häufiger und aggressiver verwendet wird. Ist nicht jede Demonstration (insbesondere von ungewaschenen Linken!) ein potentieller Seuchenherd?

Lolita

Wir brauchen für unsere Netzwerk-SNAFUs auch so schöne, vorbereitete Namenslisten.

„Broadcaststurmtief in Gebäude A“ habe ich heute so häufig erklären müssen, dass ein Kosename mir einiges an Zeit gespart hätte.

Aber immerhin bin ich jetzt durchgedrungen: Nach Jahren meiner Jammerei über die unhandlich große Broadcastdomäne werden endlich mal (Zeit-)Ressourcen für einen Umbau freigeschaufelt.

Cyber Cyber Cyber

Wir hatten in der Unternehmensgruppe einen, wie heißt das heutzutage?, Sicherheitsvorfall. Die haben sich da einen Trojaner eingefangen, wohl ähnlich zu der bei Heise so erfolgreich eigesetzten. So weit so schlecht, großer Geschrei allerorten, die üblichen Aktionismen und Kompetenzgerangeleien (glücklicherweise habe ich die ersten zwei Wochen nicht mitgekriegt – weil mein Arbeitgeber selbst nicht direkt betroffen war, wurde ich nicht im Urlaub genervt). Die Nutzlast hat einerseits sehr zeitnah angefangen, Dateien zu verschlüsseln, hat sich aber auch durch’s Netz gefressen und Windosen geöffnet (angeblich auch voll gepatchte Win10-Kisten) – und dabei sehr wahrscheinlich auch ein Domadmin-Konto übernommen.

Beteiligt bin ich jetzt aber am Aufbau einer neuen Infrastruktur, damit die dort saubere Systeme neu aufsetzen können, die dann vielleicht auch sauber bleiben.

Auftritt $manager vom Mutterschiff. Mit einem Cyber im Funktionstitel.


Billie Grace Ward from New York, USA [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]

Jetzt hatte aber Cyber Cyber überhaupt kein Problem damit, dass der Exchange-Server weiterhin voll in Betrieb ist, weil sich nach seinen Informationen „die Malware nicht per Mail verbreitet“. Ähm, whut? Der mit hoher Wahrscheinlichkeit kompromittierte Host darf weiterhin als Mailserver arbeiten? Weil das, mit Glück!, nicht dazu führt, dass sich der Trojaner weiterverbreitet? Und das Schlangenöl meinte, es sähe alles fuper aus?

🙈 🙉 🙊

Ist ja nur eine unter KRITIS fallende Klitsche. Kannste nix machen, ne?

Lädiert

Auswirkungen der Silvesternacht:
– Brandblase am rechten Zeigefinger, von einer Wunderkerze
– Zerrung im rechten Unterschenkel, vom rumhüpfen
Hätte schlimmer sein können.

Viel Spaß euch mit 2019!

3, 2, ?

Ein recht wichtiges Team in der IT hat in den letzten paar Tagen einige Ausfälle zu verzeichnen gehabt.

– JS fällt aus für 6+ Wochen
– RN fällt aus für 6+ Monate

Damit müsste das nächste Ereignis Nummer 3 für 6+ Jahre ausfallen lassen – was weitestgehend gleich bedeutend zu „für immer, der Laster war schneller“ (o.ä.) ist.

Nun, das wäre dann das letzte Teammitglied. Und ich.

War schön mit euch, glaube ich…

Da fehlt doch was.

Irgendwie fehlt im ICD-10 ein Code für „Gehirn schmilzt und fließt aus den Ohren“.

Weder in den Abschnitten G (Krankheiten des Nervensystems) noch F (Psychische und Verhaltensstörungen) zu finden. Komisch, ich bin mir sicher, dass dies zur Zeit meine Diagnose wäre.

Michael wird wohl seine Seelenwaage aufgeben müssen

Einer der unermüdlichen weilt nicht mehr unter uns, Meinhard Starostik ist vorgestern gestorben.

Im Großen wird er mir immer mit seinem Kampf gegen den ausufernden Überwachungsstaat im Gedächtnis bleiben – auch ich war einer seiner „Mandanten“ bei der Größten Verfassungbeschwerde aller Zeiten. Im Kleinen habe ich ein Bier mit ihm getrunken bei der Gründungsparty von C3S. Ich denke nicht, dass ohne ihn die nötige Expertise da gewesen wäre, eine rechtlich wasserfeste GEMA-Alternative überhaupt nur zu denken.

Lieber Meinhard, lass die da oben zittern. Die Vorratsdatenspeicherung zum Partikulargericht wird ein Ende finden.