Freundlichkeit geht vor

So lautet das Motto der Stadtwerke Augsburg für eine sehr hirnverbrannte Idee: Seit August muss in den Bussen vorne eingestiegen werden.

Der Flyer listet vier Vorteile auf, angeblich gut für Betreiber und Anbieter.

1. Weniger Schwarzfahrer.

Auf der Testlinie gab es wohl 20 % mehr Barzahler, aber das Argument überzeugt nicht:
* Ich zeige seit einer Woche beim Fahrer die alte Abokarte vor, die seit Monaten abgelaufen ist. Rückfragen gab es keine.
* Seit dem 1. Juli gilt der erhöhte Satz für Schwarzfahren, jetzt 60 statt 40 Euro – das wurde auf Betreiben von Bayern eingeführt und die Wirkung hätte abgewartet werden können.

2. Schnellere Abfertigung.

Schwachsinn. Die Busfahrer öffnen die hinteren Türen später (sei es durch Anweisung oder durch die Ablenkung der ganzen Einsteiger) und insbesonders ältere Menschen trauen sich nicht nach hinten durchzugehen, um beim Anfahren nicht zu stolpern. Das führt dann zu Verstopfung vorne oder noch längeren Wartezeiten, weil der Fahrer die Fahrgäste nach hinten scheuchen muss.

3. Mehrheit ist dafür.

Trotz täglicher Nutzung der Stadtwerkefahrzeuge ist mir diese Umfrage neu, und in den Bussen höre ich auch eher „Schildbürgerstreich“ statt „Jippie“. Wäre es nicht richtig gewesen Abokunden (als Vielnutzer) diese Frage auch direkt zu stellen?

4. Sicherheitsempfinden und Vandalismusverhütung.

Gefühlte Sicherheit hat sich als Konzept ja auch sooo bewährt. Sigh. Und natürlich lasse ich den Edding verpackt, nur weil ich vorne einsteigen musste. Das ist ein absolutes Nullargument, dürfte aber leider bei den Schafen ziehen.

Glücklicherweise fahre ich außerhalb der Stoßzeiten und bin die nächsten Wochen nur deshalb auf den Bus angewiesen, weil gerade eine Brücke renoviert wird. Ab Mitte September fällt es mir dann einfacher die Busse zu meiden, weil dann mein Arbeitsweg wieder per StraBa möglich ist.

Ein Gedanke zu „Freundlichkeit geht vor

  1. Reja

    Ich find das mit der alten Abokarte sehr witzig!
    Unser kleiner Bruder führt gerade eine Studie darüber wann man bei der Bahn vom Schaffner kontrolliert wird und wann nicht. Selbst solche auffälligen Persönlichkeiten wie er, werden einfach übersehen, wenn sie mit ihrer Tätigkeit normal weitermachen, wenn der Schaffner vorbeikommt.

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